Willkommen als Gast auf den Seiten von
Groothusen,
einem malerischen Dorf in der Gemeinde Krummhörn

 


Home


...unsere Burg


... unsere Kirche


... unsere Feuerwehr

Die Dorfschmiede
...unsere Dorfschmiede


Übernachtung


Impressum

Diese Seiten, sind nicht
die Offiziellen von Groothusen

 

 

Die Kirche von Groothusen

Die gotische Kirche von Groothusen liegt mit dem Friedhof auf dem nordwestlichen Teil der langgestreckten Dorfwarft (500m lang und 130m breit).

Die Gründung der Sendkirche St. Petrus Groothusen dürfte auf den Missionar Luidger um 790 zurückzuführen sein. Luidger, ein gebürtiger Friese, erzogen in York in England, wurde gemeinsam mit Willehad von Karl dem Großen als Missionar für Ostfriesland eingesetzt. Im Jahre 804 ernannte Karl der Große Luidger zum Bischof von Münster. Groothusen wurde mit Ems- und Federgau Teil des Bistums Münster.

Über die Gründung des Kirchengebäudes selbst liegen keine Quellen vor.

Unter der jetzigen Steinkirche dürften die Überreste einer alten Holzkirche, errichtet aus dem Holz der damals noch in großer Zahl vorhandenen heiligen Haine, in den frühgeschichtlichen Warfthorizonten zu suchen sein.


Die Südseite der Kirche

Die jetzige Kirche muss einen kleineren, ganz aus Tuff bestehenden Vorgängerbau (bebaut ca. 1200) gehabt haben. Tuffkirchen waren die ersten nach den Holzkirchen erbauten Steinkirchen in der Krummhörn, sie befinden sich nur an ganz besonderen geographischen Punkten, und zwar an den Küstenlinien und an den Flußmündungen. Der Tuff stammt aus der Gegend von Andernach/Rhein in der Eifel und wurde von dort über Deventer und Utrecht auf dem Wasserweg nach Ostfriesland transportiert. Hauptsächlich wurde Tuff um 1200 als Baumaterial benutzt, wegen seiner Leichtigkeit eignete sich Tuff besonders gut für Marschgebiete.

In Osten der Tuffkirche wurde ca. 1225 der hohe, schlanke Turm mit 4 gleichgestaltet romanischen Schallöchern -freistehend- errichtet. Das nach Westen ausgerichtete Schalloch ist heute durch das Dach der später angebauten Kirche verdeckt.

Die äußere Mauerung des Turmes besteht aus Backstein im wendischen Verband ohne irgendeine Gliederung, im Innern besteht die Mauer fast ganz aus Tuff. Den Abschluss des Turmes bildet ein Satteldach, das einen Dachreiter trägt. Als Wetterfahne dient -ungewöhnlich für eine reformierte Kirche- ein Schwan. Dazu berichtet Houtrop, dass Groothusen tatsächlich von1597 bis 1600 einen lutherischen Prediger namens Gerhard Sprangius hatte, der aber seiner lutherischen Lehre wegen abgesetzt wurde.

Die alte Tuffkirche musste dann nach 1400 einem gotischen Neubau (der heutigen Kirche) weichen. Da für den Neubau das Material aus dem Abbruch nicht reichte, wurden zusätzlich Backsteine verwendet. Der vorher freistehende Glockenturm wurde in den Neubau einbezogen.


Die Westseite des Turmes

Als Mörtel benutzte man Muschelkalk, der sich bis heute als sehr dauerhaft erweist. Der Kalkmörtel wurde aus am Strand angeschwemmten Muscheln hergestellt, ein Sandzusatz war wegen des nicht ganz durchgebrannten Materials nicht nötig.

Der gotische Kirchenneubau von 1425 hat insgesamt 11 schmale Joche. Die Längsseiten (Nord- und Südseite) sind durch Strebepfeiler, die zum Teil noch die alten, abgetreppte Form haben, gegliedert. Nach dieser äußeren Konstruktion zu schließen war ein Gewölbe der Kirche zumindest vorgesehen. Da im Innern der Kirche keine Gewölbespuren zu erkennen sind, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob jemals ein Gewölbe vorhanden war, vielleicht ist es durch äußere Einflüsse bedingt nicht eingebaut worden.

Der erste Strebepfeiler (vom Kirchturm aus betrachtet) der Südseite ist schräggestellt -vermutlich sollte die Kirche ursprünglich Polygonal schließen. Eine oberer Wandabschluss ist an beiden Längsseiten nicht vorhanden.

Fünf der Fenster an der Südseite und 3 der Nordseite sind heute noch geöffnet. Die schlanken, großen Spitzbogenfenster haben mehrfachprofilierte Leibungen. Diese wurden mit einer dünnen Putzschicht versehen und mit Kalkschlämmen gestrichen. Die weiße Kalkschlämme wird auch heute noch regelmäßig erneuert und gibt so den Fenstern einen eigenartigen Reiz.


Die Nordseite der Kirche

Das heutige Eingangsportal liegt hinter einem Vorbau aus späterer Zeit an der Südseite, ein weiterer Rundbogeneingang mit mehrfach profilierten Leibungen befindet sich im Westen. An der Nordseite ist bis auf eine kleine vermauerte Stichbogenöffnung kein Portal. Die Benutzung der Portale war früher nach Geschlechter streng getrennt (Südtür = Männertür und Brauttür, Nordtür = Frauentür). Der im Volksmund bekannte Name "Nordmannentür"  für das niedrige Portal in der Nordseite beruht auf der falschen Auslegung alter Berichte aus der Zeit der Normanneneinfälle, nach dem sich alle Kirchenbesucher beim Verlassen des Gotteshauses noch Norden zu Ehren der Normannen zu verneigen hatten. Da der Steinkirchenbau erst über 250 Jahre nach den Normanneneinfällen einsetzte, dürfte die "Verneigung" sich erübrigt haben.

Im Inneren der Kirche sind die Wände verputzt und weiß gestrichen. Die großen Spitzgiebelfenster besitzen profilierte Leibungen. Über dem Kirchenschiff wölbt sich eine hölzerne Spiegeldecke. Der von Kirchenschiff durch eine Mauer mit Stichbogenöffnung abgetrennt Chorraum hat eine einfache Balkendecke.

Von der ursprünglichen Ausstattung der Kirche ist fast nichts erhalten, die Reformation räumte gründlich auf. Die Wände waren in vorreformatorischer Zeit mit ornamentalen und figürlichen Malereien versehen, die Fenster dürften farbig verglast gewesen sein.

Der langgestreckte Raum, gebaut für die liturgischen Zwecke der römisch-katholischen Lehre, eignete sich er nach gründlichen Umbauten als Predigraum nach protestantischer Auffassung. Das Schwergewicht des Innern verlagerte sich vom Chor zur Kanzel, die Verkündung des wiedergewonnenen Wortes rückte in den Mittelpunkt der Andacht. Der Raum strahlt nach der Reformation gewollte Nüchternheit und Kühle aus.

Heute fällt in der Kirche der Blick zunächst auf das geschnitzte Häuptlingsgestühl an der östlichen Schmalseite vor dem Chorraum mit dem Wappen derer von Wigene-Besitzern der Osterburg Groothusen, rechts daneben das Gestühl der Westerburg. Gegenüber, an der Westseite, steigt der mächtige Orgelprospekt hervor.

Die jetzige Kirche steht an der Südseite neben dem Eingangsportal. Ob ursprünglich eine Kanzel vorhanden war, lässt sich nicht feststellen.

Vor der Kanzel befindet sich der künstlerisch wertvolle bronzene Taufkessel, der m Jahre 1454 von Ghert Klinghe, dem bedeutendsten Glockengießer seiner Zeit in Norddeutschland, aus Glockenmaterial gegossen wurde. Der Taufkessel zeigt die Kreuzigung inmitten der Standfiguren von Aposteln, der Madonna und des hl. Mauritius. Getragen wird das Becken von 4 jugendlichen Diakonen, ihre Köpfe stimmen mit den Köpfen am Beckenrand überein.

Am unteren Beckenrand steht zu lesen:

en vat der renicheit bin ik gheheten,
dit kerspel heft mit laten gheten,
ghert klinghe mi ghegoten hat,
got gheve siner sele rat.

Diese frühe Arbeit von Klinghe zeigt noch die Merkmale seines weichen Stils, eine gewisse Frische der künstlerischen Gestaltung. Bis zur letzten Innenrenovierung der Kirche im Jahre 1968 stand der Taufkessel auf einem schweren Sandsockelstein unter der Kanzel, bedeckt mit einem mächtigen trichterförmigen Holzdeckel. Bei dieser Renovierung wurde das alte, abgängige Eichengestühl vollständig erneuert.

Da die geschnitzten Seitenteile und die Trennwände wieder verwendet wurden, ist der alte Charakter des Kircheninneren erhalten geblieben.

Die alten Grabsteine der Burgherren von Groothusen, die früher im Mittelgang der Kirche lagen, wurden bei der Renovierung herausgenommen und mit den Grabplatten der ehemaligen Groothusener Pastoren im Chorraum zusammengelegt. Bei der Öffnung der Gräber ergaben sich keine weiteren Funde. Der auffälligste und am besten erhalten gebliebene Grabstein aus Blaustein zeigt Adde von Meckenborch, gestorben 1590, die in modischer Tracht ihrer Zeit auf einem kleinen Podest unter einem Bogen mit gegliederten Pfosten steht.

Zwei Engel schweben über ihr und halten über ihrem Kopf ein Allianzwappen:

Lilie auf Herz und Pelikan mit Jungen.

Erst vor einigen Jahren wurde auf dem Boden des Pfarrhauses ein wertvoller, vergoldeter spätgotischer Priesterkelch gefunden. Da dieser Kelch von Houtrop noch beschrieben wurde, muss er noch lange nach der Reformation benutzt worden sein.

Der Glockenturm trägt heute 3 Glocken. Die älteste Glocke, die Betglocke, hängt im Dachreiter des Glockenturms unter dem Schwan. Sie wurde aus Glockenmetall gegossen im Jahre 1773. Während des 2. Weltkrieges war die Glocke beschlagnahmt, kehrte aber nach Beendigung des Krieges zurück und wurde 1947 wieder an der alten Stelle aufgehängt. Seitdem läutet sie täglich um 8.oo Uhr, 12.oo Uhr und 18.oo Uhr (früher auch um 21.oo Uhr).

Die "kleine" Glocke mit einem Durchmesser von 73cm und einer Höhe von 58cm trägt die Aufschrift (übersetzt):

Wenn Gott für uns ist,
wer mag wider uns sein.
Klas Garbrants hat mich gemacht und
gegossen zu Kloster Sielmönken.

Die beiden alten Glocken aus dem Jahre 1423 (Brandglocke, umgegossen 1892) und aus dem Jahre 1707 nahmt und kehrte nie zurück. Im November 1925 konnte die Gemeinde zwei neue Stahlglocken einweihen.

Links neben dem Schalloch in der Südseite des Turms befindet sich eine Uhr aus dem Jahre 1599, die von einer einzigartigen Steinumrandung in Renaissanceform eingefasst ist. Die Uhr ist ein Geschenk des lutherischen Geistlichen Theodor Sprangius.

Die Inschrift der Uhr lautet (übersetzt):

Dahin gleitet die Zeit,
und eh´ man sich´s versieht,
ist man alt,
und in ungezügeltem Lauf rinnen die Tage.

Die Wenthin-Orgel von Groothusen

Auszug aus "Die Kirche von Groothusen" von Hero-Georg Boomgaarden. In der "Festzeitschrift anlässlich der Ingebrauchnahme der restaurierten Wethin-Orgel in Groothusen am 1.Advent 1987"